Schrappe Thesenpapier Covid 19

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Matthias Schrappe (* 24. Januar 1955 in Hamburg) ist ein deutscher Internist mit den Zusatzbezeichnungen Hämatologie, internistische Onkologie und Gastroenterologie.

Er arbeitete von 1981 bis 1996 an drei kommunalen und zwei universitären Kliniken. Von 2002 bis 2005 war er Hauptamtlicher Ärztlicher Direktor des Marburger Universitätsklinikums, von Oktober 2006 bis Februar 2007 wissenschaftlicher Geschäftsführer der Universität Witten/Herdecke. Von Juni 2007 bis Juni 2011 war Schrappe Generalbevollmächtigter des Aufsichtsrates des Klinikums der Universität Frankfurt am Main.[1]

Schrappe lehrt seit 1990, unter anderem in Köln, Marburg, Graz, Luxemburg und Trier. 1996 ernannte ihn die Universität Köln zum außerplanmäßigen Professor. Er lehrte unter anderem Innere MedizinQualitätsmanagementEvidence-based MedicinePatientensicherheit und Risikomanagement. Außerdem erfüllt er Funktionen in Fachgesellschaften und Gremien. Seit Dezember 2005 war er Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, wo er im Oktober 2007 zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde.

Er fordert endlich wissenschaftliche Daten in der Corona Krise und veröffentlichte dazu im November ein Thesenpapier zur Covid 19 Lage, das Sie hier herunterladen können.

Hier einige wesentliche Auszüge:

Die Hospitalisierungsrate sinkt bzw. stabilisiert sich trotz steigenden Alters der Infizierten, die Beatmungsrate sinkt seit Beginn der Epidemie, und insbesondere nimmt die Mortalität ab, sowohl bei den Intensivpatienten als auch in den Kollektiven der Mitarbeiter in Krankenhäusern,
Pflegeheimen und Betreuungseinrichtungen. Diese Beobachtungen verdienen
Aufmerksamkeit: Risikokommunikation heißt auch, in glaubwürdiger Art und Weise (nicht
als Lippenbekenntnis) positive Nachrichten hervorzuheben. Problematisch stellt sich
allerdings die Situation auf den Intensivstationen dar: es ist zu einem deutlichen
Anstieg der Intensivpatienten mit CoViD-19 gekommen und somit auch zu einer Abnahme
der freien Intensivkapazität, allerdings ist parallel ein absoluter Abfall der
Gesamtintensivkapazität in Deutschland aufgetreten, der einen großen Anteil an der
Abnahme der freien Betten hat
. Mit den zur Verfügung stehenden Daten ist dieses Effekt
nicht erklärbar, hier sollte eine politische Analyse einsetzen.

Die Letalität der Infektion mit SARS-CoV-2/CoViD19 sinkt seit Beginn der Epidemie ab und liegt unter 1%. Auch die auf die Melderaten bezogenen Angaben des RKI zur Letalität (ein häufig genannter Kritikpunkt, s. Tp2, Kap. 2.1.1 Nr. 4) nehmen langsam ab.
In der epidemiologischen Literatur liegen mittlerweile gute, Populations-bezogene
Arbeiten zu diesem Thema vor (z.B. in Island Gudbjartsson et al. 2020B), die eine
Gesamtletalität von unter 0,5% wahrscheinlich machen. Die Alterszusammensetzung und
die Kapazitäten der Gesundheitsversorgung spielen eine ganz entscheidende Rolle: in
einer großen Metaanalyse steigt die infection fatality rate, also die Sterblichkeit nicht
bezogen auf die gemeldeten, sondern auf die Gesamtheit der Infizierten an, von nahe Null
auf 0,4% im Alter von 55 Jahren bis 14% im Alter von 85 Jahren (1,3% 65 Jahre, 4,2% 75
Jahre) (Levin et al. 2020).

Um die in allen bislang veröffentlichten Thesenpapieren beschriebenen Probleme durch die Stichprobenauswahl zu beheben, sind prospektive Kohorten-Studien dringend geboten. Es ist ein großes Versäumnis, dass sie bisher nicht durchgeführt wurden, aber sie können (und sollten)
auch heute noch initiiert werden. Sie müssen zufällig ausgewählte Bevölkerungsstichproben umfassen, die regelmäßig (z.B. alle 14 Tage) auf das NeuAuftreten einer Infektion mit SARS-CoV-2/CoViD-19 untersucht werden (longitudinales Design, PCR und Antigen-Testung).

Ausblick

Das vorliegende Thesenpapier 6.1 ist auf die epidemiologische Situation fokussiert und
kritisiert besonders die mangelhafte methodische und materielle Qualität der derzeit zur
Information und Steuerung verwendeten Daten und der daraus abgeleiteten Grenzwerte.

Ein Ausblick muss natürlich darauf verweisen, dass auch die besten Daten und
methodisch bestens validierten Grenzwerte nur dann ihren Zweck erfüllen können, wenn
das zugrundeliegende Konzept der Prävention sinnvoll gestaltet ist und das
gesellschaftspolitische Konfliktpotential nicht verschärft wird. Es wird z.B. abzuwarten
sein, ob das Versprechen im novellierten Infektionsschutzgesetz, dass eine soziale
Isolation von hilfsbedürftigen Personen nicht statthaft ist, wirklich mit Leben erfüllt wird
oder ob es sich hier um ein gesetzliches Feigenblatt handelt, in der Realität es also weiter
zu Verletzungen von Würde und Humanität kommt, ohne dass die Betroffenen irgendeine
Chance haben, sich dagegen zu wehren.


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