Wahrheit sagen: Strafversetzung

Friedrich Pürner, Facharzt, Epidemiologe und Chef des Gesundheitamtes Aichach-Friedberg wurde offenbar strafversetzt, weil er die Wahrheit sagt. Nachdem er in mehreren Interviews beharrlich klar stellte, dass es keine Evidenz zur Schutzwirkung von Mundnasenbedeckung (MNB) gibt, hat man an ihm ein Exempel statuiert, um Nachfolger abzuschrecken. Seine Strafversetzung ändert nichts daran, dass er bei seinen Aussagen bleibt. Obwohl die Faktenlage dafür spricht, dass Deutschland gerade einem Staatsstreich zum Opfer fällt, sind weite Teile der Öffentlichkeit weiterhin paralysiert.

Merkur schreibt:

Er kritisierte öffentlich Söders Corona-Politik: Gesundheitsamt-Chef wird strafversetzt

„Auch wenn ich meine Beamten-Karriere auf Spiel setze“ – Friedrich Pürner, Epidemiologe und Leiter eines bayrischen Gesundheitsamts, spricht Klartext – und wird jetzt deswegen versetzt.

  • Friedrich Pürner ist Facharzt, Epidemiologe und Chef des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg bei Augsburg*.
  • Umso spannender sind seine Aussagen zur bayerischen Coronavirus*-Strategie – die er schlichtweg für falsch hält.
  • Er wurde jetzt wegen seiner Äußerungen zwangsversetzt (Update vom 3. November, 14.01 Uhr).
  • Das Interview in voller Länge lesen Sie weiter unten.

Update vom 3. November, 18.10 Uhr: Friedrich Pürner, Leiter eines bayrischen Gesundheitsamts, hat in mehreren Interviews die Corona-Strategie der Staatsregierung in Bayern kritisiert. Nun wird er – mitten in der Krise – strafversetzt.

Corona-Krise in Bayern: Nach Interview: Gesundheitsamt-Chef wird strafversetzt

Update vom 3. November, 14.01 Uhr: Der wegen seiner Corona-Äußerungen in Ungnade gefallene Leiter des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg, Dr. Friedrich Pürner, wird strafversetzt. Er kommt an ein Landesamt nach Oberschleißheim. Dies erfuhr der Münchner Merkur aus sicherer Quelle. Erst Montag vergangener Woche war Pürner zu einem Gespräch bei der Regierung von Schwaben einbestellt worden. Anlass war unter anderem ein Interview im Münchner Merkur (siehe unten), in dem der Arzt die Validität der Inzidenzzahl-Grenzwerte angezweifelt hatte.

Friedrich Pürner (l.) kritisierte offen die Corona-Strategie von Markus Söder (r.).
Friedrich Pürner (l.) kritisierte offen die Corona-Strategie von Markus Söder (r.).© privat/dpa/Sven Hoppe

Gesundheitsamts-Chef Pürner soll seine Stelle behalten

Update, 27. Oktober: München – Nach mehreren Interviews zur Corona-Politik musste der Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg, Dr. Friedrich Pürner, am Montag (26. Oktober) zum Rapport bei der Regierung von Schwaben antreten. „Es war ein Gespräch auf fachlicher Ebene“, teilte der Pressesprecher der Behörde in Augsburg anschließend wortkarg mit. Über den Verlauf dieses Termins wurde Stillschweigen vereinbart. Klar ist aber: Pürner bleibt im Amt – ob das mit Auflagen verbunden ist, war gestern unklar. Anzunehmen ist, dass er an das Mäßigungsgebot für Beamte erinnert worden ist.

Nach Interview: Gesundheitsamts-Chef muss zum Rapport bei der Regierung

Der Arzt hatte unter anderem im Gespräch mit dem Münchner Merkur erklärt, er halte nichts von Masken an Grundschulen. Sie seien nicht wirksam, die Schutzwirkung sei „nicht nachgewiesen“. Auch seien die Inzidenzen 35 und 50 pro 100.000 Einwohner „willkürlich“ festgelegt, weil unberücksichtigt bleibe, wie viele Infizierte tatsächlich auch erkranken. Gegenüber der „Aichacher Zeitung“ hatte er zuletzt noch einmal nachgelegt: „Eine Gesellschaft muss Diskurs aushalten – auch Markus Söder“. Dabei legte er Wert darauf, dass er von Corona-Leugnern nichts halte. Er lasse sich nicht instrumentalisieren. Mehrere Ärzte hatten sich zuletzt mit ihm solidarisiert.

Kanzlerin Merkel verkündete mit Ministerpräsident Markus Söder einen Corona-Lockdown für November. Heute tagt das bayerische Kabinett über die Umsetzung im Freistaat.

Pürner legt trotzdem nach: „Ich bleibe dabei. Eine ausreichende Schutzwirkung von Alltagsmasken ist nicht evidenzbasiert nachgewiesen.“

Pürner legte auch auf Twitter immer wieder nach und machte deutlich, dass er sich den Mund nicht verbieten lassen will. Unter anderem twitterte er zu den jüngsten umstrittenen Äußerungen des Ärztepräsidenten Klaus Reinhardt: „Auch wenn der Ärztepräsident zurückrudert; ich bleibe bei meiner Aussage. Eine ausreichende Schutzwirkung von Alltagsmasken (Community-Masken) ist nicht evidenzbasiert nachgewiesen.“

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An dem Termin in Augsburg sollte ursprünglich auch der Corona-Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Klaus Holetschek (CSU), teilnehmen, der jedoch aus Termingründen verhindert war. So war nur ein Beamter „auf Fachebene“ bei dem Gespräch zugegen.

Gesundheitsamt-Chef zerreißt Söders Corona-Strategie: „Auch wenn ich meine Karriere auf Spiel setze …“

Das Interview vom 19. Oktober lesen Sie in voller Länge hier: Seit Corona die Welt beschäftigt, hat Dr. Friedrich Pürner (53) mehr als 500 Überstunden angehäuft. Der Facharzt und Epidemiologe leitet das Gesundheitsamt Aichach-Friedberg. Die Fragen und Sorgen der Bürger werden immer mehr. Der bayerische Beamte sieht viele Maßnahmen der Staatsregierung kritisch und versucht, Ängsten entgegenzusteuern.

Gesundheitsamt-Chef kritisiert Coronavirus-Maßnahmen in Bayern: „Wie krankmachend ist eine Erkrankung?“

Dr. Friedrich Pürner (53) hat mehr als 500 Überstunden angehäuft. „Über die Erkrankten wissen wir nichts“.
Dr. Friedrich Pürner (53) hat mehr als 500 Überstunden angehäuft. „Über die Erkrankten wissen wir nichts“.© Privat

Mit steigenden Fallzahlen steigt doch auch der Druck zum Handeln?

Pürner: Ja, die Zahlen steigen. Aber wir rechnen nur mit der Summe der positiv Getesteten, über die Erkrankten wissen wir nichts. Würde die Zahl der Schwerkranken signifikant steigen, müssten wir etwas unternehmen. Aber gehandelt wird derzeit nur, weil wir lediglich positive Befunde haben. Entscheidend für uns Epidemiologen ist: Wie krankmachend ist eine Erkrankung? Covid-19* ist eine Infektion. Es wird immer Menschen geben, die daran sterben oder krank werden. Auch Folgeschäden sind derzeit nicht ausgeschlossen. Vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sind Risikogruppen. Allgemein ist das Risiko, an Corona schwer zu erkranken, relativ gering, daran zu sterben auch. Das ist nicht Ebola.

Kritik an Corona-Strategie: „Das ist nicht Ebola“

Die Politik versucht, mit einem Ampelsystem* die Lage in den Griff zu kriegen. Wie beurteilen Sie die Inzidenzwert-Strategie?*

Pürner: Diese Strategie ist nicht richtig. Die Inzidenzen 35 und 50 pro 100.000 Einwohner sind willkürlich gewählt, außerdem besteht der Inzidenzwert nur aus allen Positiv-Getesteten. Man weiß nicht, wie viele Personen Symptome haben und damit krank sind. Es wäre klug, auf diejenigen zu schauen, die das Gesundheitssystem belasten.

Corona in Bayern: „So verspielt man Vertrauen“

Verstehen Sie die Angst der Menschen?

Pürner: Ich verstehe sie. Hier wird eine Ur-Angst geweckt, die Ur-Angst vor Krankheit, Siechtum und Tod. Wir haben einen unsichtbaren Gegner. Aufgabe der Politik wäre es: Ängste nehmen, nicht Panik schüren. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben Panik-Stimmung. Ich arbeite an der Basis, wir erleben es, dass Bürger aus Angst betteln, in Quarantäne geschickt zu werden. Bei den Leuten entsteht – durch die ständige Überdramatisierung und den Alarmismus – ein Erschöpfungszustand. So verspielt man Vertrauen. Auch Kinder bleiben auf der Strecke.

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Inwiefern?

Pürner: Es ist schon fragwürdig, wie man mit unseren Kindern umgeht! Wir hatten schon weinende Eltern am Telefon, deren Kinder von Lehrern gerügt wurden, weil sie sich nicht an Corona-Regeln gehalten haben und gefragt wurden: Willst du, dass Oma und Opa sterben? Das macht was mit unseren Kindern. Ich will nicht, dass meine Kinder mit Ängsten aufwachsen.

Corona-Schutzmasken „nicht mehr als ein Symbol der Solidarität“

Sie sehen die Maskenpflicht an Schulen kritisch. Warum?

Pürner: Von Maskenpflicht an Schulen und Kitas halte ich fachlich nichts. Es gibt dazu auch keinen evidenzbasierten Beleg zur Wirksamkeit. Kinder nehmen wenig am Infektionsgeschehen teil. Wenn wir infizierte Schüler finden, sind die Symptome minimal. Generell ist die Schutzwirkung von Community-Masken, wie sie die Mehrheit trägt, nicht nachgewiesen. Mit den Community-Masken hat man ein Mittel erfunden, das nicht mehr ist als ein Symbol der Solidarität.

Welche Maßnahmen wären Ihrer Ansicht nach an Schulen sinnvoll?

Pürner: Lehrer sollten das Thema Hygiene behandeln. Damit Schüler Händewaschen, Einmal-Handtücher verwenden, nicht Hände schütteln, auf Abstand gehen, wenn sie rotzen oder husten und dass sie etwa bei starker Erkältung oder Fieber zuhause bleiben. Wenn ich Herrn Piazolo beraten dürfte, würde ich ihm sagen: Lassen Sie die Schulen offen, befreien sie die Schüler vom Mundschutz, lassen Sie lüften, aber nicht andauernd. Wir brauchen Lehrer mit Zuversicht. Lehrer, die sagen: Wir kriegen das hin.

Sie fordern einen maßvolleren Weg in der Corona-Politik, wie könnte der aussehen?

Pürner: Die Situation ist verfahren. Am Anfang waren diverse Maßnahmen schon gut. Aber Ende April/Anfang Mai gab es einen Zeitpunkt, wo die Zahlen zurückgingen. Das primäre Ziel, dass Krankenhäuser nicht mehr überlastet waren, wurde erreicht. Wir müssen mit Corona leben. Daran wird auch eine Impfung nichts ändern. So schnell wird es keine geben, und einen 100-prozentigen Schutz bietet keinerlei Impfung. Das heißt, wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Wir müssen es als allgemeines Lebensrisiko begreifen. Das Virus ist da, es wird bleiben. Die Politik sollte sich mit Dramatik zurückhalten und den Menschen sagen: Ihr müsst mit dem Virus leben!

Mit Ihrem Appell für einen gemäßigteren Kurs in der Pandemie legen Sie sich mit Ihrem obersten Dienstherrn an. Warum machen Sie das?

Pürner: Ich will Vorbild sein – als Arzt, als Amtsleiter und als Vater von drei Söhnen. Ich möchte fachlich aufklären, den Menschen die Angst nehmen. Auch wenn ich mit meinen Äußerungen möglicherweise meine Beamten-Karriere aufs Spiel setze. Ich bin fachlich gut ausgebildet und weiß, wovon ich rede. Nach ersten Berichten über mich kam eine Einladung ins Gesundheitsministerium für Ende Oktober. Egal, wie der Austausch verläuft, meine Meinung lasse ich mir nicht verbieten.

Sehen Sie sich als Corona-Rebell?

Pürner: Nein. Ich will fachlich meine Meinung äußern. Ich lasse mich auch nicht instrumentalisieren, von keiner Partei und von keiner Gruppierung.

Ein Kommentar

  1. verena König
    4. November 2020
    Antworten

    Bravo für das Interview und diesen mutigen Arzt. Vorbildlich! Zutiesten Dank!!! – Wir brauchen mehr von solchen Menschen. Nur Viele von Solchen können uns vor der Diktatur retten!

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